Released on November 28, 2013

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Ich wohnte mal in einem Haus, in dem ich keinen kannte

So wenig wie die Stadt, in der ich lebte, ich kannte

Die Tanke, den Supermarkt und den Weg zur Bahnhaltestelle

Denn so oft es mir möglich war, wollte ich dort weg

Ich wusste nicht mal, wo die Müllcontainer stehen

Deshalb habe ich einfach alles auf einen Haufen gelegt

Und jedes halbe Jahr nachts in die Büsche geworfen

An diesem Ort hab ich einen Teil meiner Menschlichkeit verloren

Wenn mein Nachbar in der Küche stand, hab ich gewartet

Bis er weg war und so lange möglichst leise geatmet

Wir haben kaum geredet und nie zusammen gegessen

Eines Tages hatte ich dann auch seinen Namen vergessen

Ich war irgendwo eingeschrieben, anfangs ging ich hin

Doch wenig später dann schon gar nicht mehr, denn alle waren behindert

Oder zu dumm oder zu schlau oder einfach nur zu nett

Ich hatte keinen Bock auf niemand und lag stundenlang im Bett

Ich hab diesen Ort gehasst, ich hab jeden Tag verflucht

Mit jedem Wort, das ich schrieb, mit jedem Atemzug

Konnte oft nicht schlafen dank dieser unbestimmten Angst

Und dem Gefühl, dass jeder irgendwas von mir verlangt

Das war mir alles zu viel, das war mir alles zuwider

Hab nur mit Kolle gechattet und so ein Album geschrieben

Ich war nicht im AStA, nein, ich kam nicht auf Partys mit

Ich hab mich von morgens bis abends in den Schlaf gekifft

Alles, was ich sah, war eine finstere Zukunft

Und ich kannte kein Essen außer Tiefkühlpizza und Nudeln

Saß betäubt vor dem Bildschirm mit ner Müllermilch

Wollte nicht daran denken, wie mein Vater zu Hause im Müll versinkt

Ich hatte keine Freunde dort, ich wollte keine haben

Ich hab so gut wie nie jemand zu mir eingeladen

Ich saß nur vorm Computer, den ganzen Tag vorm Computer

Und machte im Grunde gar nichts – no future

Ich hab nur Rap gehört, den ganzen Tag Rap gehört

Wenn das Telefon geklingelt hat, habe ich weggehört

Erst ging das TV nicht mehr, später dann das Internet

Doch ich hab mich nie beschwert, ich hatte ja Kiff und Rap

In meinem kleinen Zimmer, versteckt vor der Außenwelt

Ganz alleine, so als wär ich auserwählt

Nein, ich wusste nicht, wie mir geschah, aber sah eines Tages

In den Spiegel und hatte lange Haare und einen Bart, tja

Die Anderen machten Scheine

Ich blieb alleine zu Hause und bewegte mich in etwa so viel wie ne Leiche

Und mit dem Vermieter habe ich mich eigentlich verstanden

Doch als er dann mein Zimmer sah, wurd er weiß wie eine Wand

Von einem Tag auf den anderen bin ich verschwunden

Paar Details hab ich vergessen, das liegt alles jetzt im Dunkeln

Wahrscheinlich hab ich schon verdrängt, wie es wirklich war

Doch manchmal wach ich nachts auf und denke, ich war grad da – Siegen

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