Abserviert

By Max Herre

On Hallo Welt!

Released on August 24, 2012

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[Intro]

Ich will dir 'ne Geschichte erzählen

Aus dem Innenleben eines einsamen Texters

Mit 'nem leeren Magen


[Part 1]

Es war wohl gegen halb Acht als sich mein Magen meldet

Und wirklich nichts im Haus als das ich mir die Frage stellte

Ich war am Text schreiben, wollt nicht lange weg bleiben

'Nen schneller Teller Nudeln in der nächsten Eckkneipe

Steck 'nen Zwanni ein, die Schlüssel, werf 'nen Pulli über

Und nix wie raus hier aus der Haustür und mal eben rüber

Zu meinem Lieblingsitaliener im Kiez

Ciao bella, como stai?, tutto a posto d'esi?

Ich setz mich an 'nen Ecktisch der für Zwei gedeckt ist

Der Laden ist am Brummen und das Treiben hektisch

Heb die Hand zum Bestellen, die Kleine entdeckt mich

Die Schönheit der Welt vereint auf Einmetersechzig

Jetzt tritt sie an meinen Tisch als lief sie roten Teppich

Ich frag sie ob sie neu sei und sie lächelt neckisch

Mund, Augen rund und dann betont in 'ner Blue Jeans wie

Ornella Muti trifft die junge Bellucci

Mi Scusi, ich wollt nur wissen was ihr habt

Sie sagt: "Wart mal ab, ich hab hier was das gibt's nicht à la carte"

Dreht sich um, Popo wackelt und sie dackelt ab

Wirft ihr dickes Haar über die Schulter, Mann, sie macht mich schwach

Kommt zurück, 'n Teller voller Venusmuscheln

Steht am Tresen und ich seh sie mit Kollegin tuscheln

Nach den Muscheln und 'nem vierten Frascati

Merk ich mein kurzer Ausritt wird grad 'ne Party

'Nen halben Liter später glaub ich bin ihr sympathisch

Sie schenkt mir nach und fragt mich: "Willst du noch Nachtisch?"

Und ich, ich glaub ich muss mal besser nach Haus

Blicke fressen mich auf, sie bringt mir Espresso auf's Haus

Es wird halb Eins, die letzten Gäste sind raus

Halb Zwei, wir schäkern rum, beide bestens gelaunt

Halb Vier, ihr wisst ja Kreuzberger Nächte sind lau

Und die Frau auf Einssechzig einfach prächtig gebaut

Es wurde Sechs und wir erklimmten den Achttausender

Doppelt abgesichert [.....]

Um halb Zehn kam ich mit weichen Knien zu Hause an

Bin erstmal 13 Stunden nicht mehr aufgestanden, ausgebrannt


[Bridge]

Glaub mir ich sitz da in der Ecke

Probier meine Pasta Vongole runterzukriegen

Und ich bin einfach sprachlos

Die Frau war irgendwo zwischen

Claudia Carinale und Gina Lollobrigida

Oder Sophia Loren mit 21


[Part 2]

Noch bisschen niedergeschlagen

Saß ich gleich wieder im Laden, diesen Abend

Denn wie bekannt ist geht ja Liebe durch den Magen

Und in Gedanken hielt ich sie schon wieder in Armen

Saß stundenlang bis ich es wagte 'ne Bedienung zu fragen

Und da kommt der Wirt zu mir als wollt er mir an den Kragen

Stellt mich zur Rede aber ließ mich nichtmal was sagen

Beugt sich über mich und meint: "Meine Tochter ist bei Familie

Heute erst geflogen für sechs Wochen nach Sardinien"

Er fragt mich pampig ob ich trotzdem noch was essen mag

Ich bestell 'ne Pasta, er bringt Arrabiata extra-scharf

Mir wird heiß und kalt, ich spül sie mit 'nem Grappa nach

Woher hätt ich wissen können, dass der Wirt ihr Pappa war

Zahl und dackel ab wie 'son begossener Pudel

Was für ein Kuddelmuddel, dabei wollt ich doch bloß Nudeln

Und dieser Strudel an Gefühlen reißt mich mit sich

40 Tage, 40 lange Nächte Verzicht

Komm morgens nicht aus dem Bett, mein Leben ist nicht mehr komplett

Renn nur noch schimpfend durch die Wohnung so als hätt ich Tourette

Starr tagelang die Wände an, streich sie im Kalender an

Mann, irgendwann muss das Warten doch ein Ende haben

Dann kam er wirklich: Tag 42

Ich in meinen feinsten Zwirn, nur keine Zeit verlieren

Der Puls gefühlte 190 kam ich reingestürmt

Vor meinem inneren Auge wie sich unsere Lippen gleich berühren

Da tritt auch schon die Göttin durch die Seitentür - Leerzeichen -

Weil jedes Adjektiv hier untertreiben würd

Sie winkt und zwinkert, verschwindet in der Küche

Kommt zurück, links 'n Weinglas, in der Rechten Meeresfrüchte

Ich spring auf, auf den Lippen nur 'n schüchternes "Hi"

Die Göttin tippelt vorbei, ich seh den Typ an Tisch Drei

Fall zurück in meinen Sitz und merk wie mir ganz anders wird

Denn hier hat [...] seinen Ursprung: Abserviert!


[Outro]

Glaub mir ich sitz da

Wie bestellt und nicht abgeholt

Leg' das Geld auf dem Tisch und renn aus dem Laden

Und bin völlig durch den Wind

Ich konnt's gar nicht glauben

Die Frau ist mehr Drama als

Anna Magnani in Mamma Roma

Glaub mir

Da fiel mir ein kleines Wortspiel ein

Das geht so:

Mir ging's so mies wie was auf Italienisch Muschel heißt

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